Mittwoch, 10. Juni 2015

Zunächst erläutern Easton und Hess in ihrem Text Youth and Political System, dass in keinem Zeitalter so viele politische Systeme zusammengebrochen und andere aufgebaut wurden, wie in unserem. Dabei ist aber auch zum ersten Mal ein System entstanden, dass in nahezu allen westlichen und Entwicklungsländern Anklang gefunden hat.
Hauptsächlich wird bei politischen Umschwüngen nur auf Faktoren wie die Wirtschaft, Kultur oder wichtige Kriege, die das Land betreffen, geachtet, jedoch nur wenig auf den Umstand, wie ein politisches System es schafft sich zu etablieren und zu halten. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel, dass das System es fertig bringt, aus der Masse eine integrierte Einheit zu schaffen. Dabei muss es aber auch Unterschiede zwischen den einzelnen Individuen geben, da Auseinandersetzungen und andere Meinungen ganz entscheidend zu einem System dazugehören. Die Aufgabe des Systems ist es, mit diesen Unterschieden umgehen zu können.
Ein politisches System kann nur unter bestimmten Voraussetzungen gehalten werden. Easton und Hess greifen sich vor allem einen Punkt heraus, nämlich den, dass es Erwartungen an die Gesellschaft gibt, nämlich Einigkeit im Wissen, der Einstellung und den Werten eines jeden Individuums. Ist diese Einigkeit in gewissem Maße vorhanden, kann man von einem gemeinsamen Konsens sprechen, in den das politische System gebettet ist.
Hierbei beziehen sich die Autoren auch auf David Riesman, nach dem ein demokratisches System nur existieren kann, wenn ein Minimum an politischer Partizipation gegeben ist.
Des Weiteren teilen sie das politische System in drei Level ein, die Regierung, das Regime und die politische Gemeinschaft. Wenn man nun von Änderungen im politischen System spricht, kann entweder einzelne Level oder sogar alle drei gemeint sein.
Im weiteren Verlauf sprechen Easton und Hess über Sozialisation, die sich auch auf allen drei genannten Ebenen abspielt und in jedem Level eine Rolle spielt. Bei Riesman ist jedoch vor allem die Regierungsebene von Bedeutung, da er betrachtet, was einen zum Beispiel zum Wählen bewegt und nicht, was einen dazu bewegt, eine bestimmte Richtung zu wählen. Da ein Minimum an Beteiligung besteht, funktioniert eine demokratische Regierung. Hierbei wird auch ein Bezug zu den drei Charakter Typen her, die Riesman definiert und in unserer letzten Sitzung eine Rolle spielten.
Bei der politischen Sozialisation geht es also nicht nur um die Einstellung gegenüber bestimmter politischer Personen oder Gruppen, sondern auch sich mit der Gemeinschaft ein Stück weit identifizieren zu können.
Diese Sozialisation findet quasi das ganze Leben statt, auch wenn sie bei Erwachsenen anders abläuft als bei Kindern und Jugendlichen. Erwachsene und auch junge Erwachsene besitzen schon gewisse Raster, in denen sie neu erworbenes Wissen einordnen können und dieses dann neu anwenden. Die Einstellung gegenüber dem Wählen und bestimmten Ideologien bildet sich schon relativ früh und wird später nur dementsprechend erweitert.
Wann genau politische Sozialisation beginnt, lässt sich so pauschal aber nicht sagen. Ein Kind bekommt schon früh Dinge des politischen Systems mit, ohne diese als solche zu sehen. Ein weiteres Problem ist, das man keine klaren Linien zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsensein ziehen kann, sodass kein klarer Zeitpunkt festgelegt werden kann, an dem es am sinnvollsten ist, das wichtigste über solch ein Thema zu vermitteln.
Sicher ist jedoch, dass sich die politische Meinung meist schon früh bildet, und, obwohl teilweise sogar gewollt, sich auch nicht mehr großartig verändert.
Viele Jugendliche halten sich jedoch aus der Politik raus und Easton und Hess betonen, dass dies auch nicht unbedingt verkehrt ist. Jugendliche befinden sich in einer Findungsphase, in der Dinge wie Politik nicht unbedingt eine Rolle spielen. Eine gewisse Ernsthaftigkeit wird dennoch von ihnen verlangt. Aber solange die Probleme nicht von großer Bedeutung sind, halten sich die Jugendlichen raus. Die Abwesenheit der jugendlichen Partizipation deutet also auf ein nicht unbedingt schlechtes politisches System hin.

Der zweite Text Das Maß der Potsdamer Garde von Carlos Spoerhase behandelt ein ganz anderes Thema, nämlich Rankings und Listen, beziehungsweise ihre Entstehung.
Rankings sind heute wohl nicht mehr aus unserer Gesellschaft wegzudenken, da sie diese beschreiben und sogar verändern können. Dies geschieht durch Zahlen.
Spoerhase siedelt die Entstehung von Ranking im 18. Jahrhundert an, in der Epoche der europäischen Kunst- und Literaturkritik. In dieser Zeit entwarf der Dichter Schubart die „Kritische Skala der vorzüglichsten deutschen Dichter“, die in neun verschiedenen Kategorien 18 Dichter bewertet. Damit gilt Schubarts Liste als erster Vorläufer für die quantifizierende Rangliste.
Ebenfalls im 18. Jahrhundert veröffentlichte der Kunstkritiker de Piles eine „balance des peintres“, in der er 57 Künstler in vier Kategorien bewertet, ohne jedoch eine Gesamtwertung abzugeben.
Beide Ranglisten wurden zu ihrer Zeit als Unsinn abgetan, waren später aber immer wieder von großem Wert.
So wurde de Piles' Skala von Richardson aufgenommen und sogar um drei Kategorien erweitert. Auch Akenside nahm de Piles' Skala auf und ergänzte diese und bestimmte ebenfalls noch einen Gesamtwert.
Dieses Modell wurde später auch in die Musik übertragen. Auch in anderen Ländern wurden nun Ranglisten veröffentlicht und die wichtigsten und einflussreichsten Ranglisten übersetzt und zum Teil sogar mehrere Male gedruckt.
Die Skalen oder „Balance“ hatten angeblich erst einmal den Wert der Unterhaltung. Spoerhase geht aber auch darauf ein, dass diese für manche ein Mittel darstellten Werke mathematisch einzuordnen, mit Hilfe von Zahlen, und das somit die Mathematik auf das Gebiet des ästhetischen Urteils ausgeweitet werden konnte. Der Physiker de Mairan entdeckte somit zwei Schwachstellen in de Piles' Rangliste, der Gesamtwert muss das Produkt der einzelnen Kategorien sein, nicht die Summe und es darf nicht den Wert 0 geben, und korrigierte diese. Durch diese Verbesserungen erhoffte man sich, dass das Ranglistensystem schon bald in allen Bereichen des Geistes Anwendung finden würde.
Für Spoerhase wurden damit aber nicht alle Probleme beseitigt, die solch ein Ranking schafft.
So weiß man zum Beispiel nicht, ob eine Rangliste einen Wert begründen oder ihn zunächst entdecken will, die Absicht dahinter wird nicht deutlich.
Beim Erstellen des Rankings hatten alle Kritiker schon vorher bestimmte Präferenzen, die in ihre Wertung mit eingehen. Auch einen Gesamtwert zu errechnen, wird von dem Autor kritisiert. So kann nicht jeder Kategorie das gleiche Gewicht zugeschrieben werden. Ganz allgemein lassen sich,
laut Spoerhase, ästhetische Dinge nicht in Zahlen fassen.
Als Vorreiter für unsere heutigen Ranglisten und Wertungen lassen sich die Ranking aus dem 18. Jahrhundert schon sehen, dabei sind die aber definitiv kritisch zu betrachten.

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