Zunächst erläutern Easton und Hess in
ihrem Text Youth and Political System, dass
in keinem Zeitalter so viele politische Systeme zusammengebrochen und
andere aufgebaut wurden, wie in unserem. Dabei ist aber auch zum
ersten Mal ein System entstanden, dass in nahezu allen westlichen und
Entwicklungsländern Anklang gefunden hat.
Hauptsächlich
wird bei politischen Umschwüngen nur auf Faktoren wie die
Wirtschaft, Kultur oder wichtige Kriege, die das Land betreffen,
geachtet, jedoch nur wenig auf den Umstand, wie ein politisches
System es schafft sich zu etablieren und zu halten. Ein wichtiger
Faktor ist zum Beispiel, dass das System es fertig bringt, aus der
Masse eine integrierte Einheit zu schaffen. Dabei muss es aber auch
Unterschiede zwischen den einzelnen Individuen geben, da
Auseinandersetzungen und andere Meinungen ganz entscheidend zu einem
System dazugehören. Die Aufgabe des Systems ist es, mit diesen
Unterschieden umgehen zu können.
Ein
politisches System kann nur unter bestimmten Voraussetzungen gehalten
werden. Easton und Hess greifen sich vor allem einen Punkt heraus,
nämlich den, dass es Erwartungen an die Gesellschaft gibt, nämlich
Einigkeit im Wissen, der Einstellung und den Werten eines jeden
Individuums. Ist diese Einigkeit in gewissem Maße vorhanden, kann
man von einem gemeinsamen Konsens sprechen, in den das politische
System gebettet ist.
Hierbei
beziehen sich die Autoren auch auf David Riesman, nach dem ein
demokratisches System nur existieren kann, wenn ein Minimum an
politischer Partizipation gegeben ist.
Des
Weiteren teilen sie das politische System in drei Level ein, die
Regierung, das Regime und die politische Gemeinschaft. Wenn man nun
von Änderungen im politischen System spricht, kann entweder einzelne
Level oder sogar alle drei gemeint sein.
Im
weiteren Verlauf sprechen Easton und Hess über Sozialisation, die
sich auch auf allen drei genannten Ebenen abspielt und in jedem Level
eine Rolle spielt. Bei Riesman ist jedoch vor allem die
Regierungsebene von Bedeutung, da er betrachtet, was einen zum
Beispiel zum Wählen bewegt und nicht, was einen dazu bewegt, eine
bestimmte Richtung zu wählen. Da ein Minimum an Beteiligung besteht,
funktioniert eine demokratische Regierung. Hierbei wird auch ein
Bezug zu den drei Charakter Typen her, die Riesman definiert und in
unserer letzten Sitzung eine Rolle spielten.
Bei
der politischen Sozialisation geht es also nicht nur um die
Einstellung gegenüber bestimmter politischer Personen oder Gruppen,
sondern auch sich mit der Gemeinschaft ein Stück weit identifizieren
zu können.
Diese
Sozialisation findet quasi das ganze Leben statt, auch wenn sie bei
Erwachsenen anders abläuft als bei Kindern und Jugendlichen.
Erwachsene und auch junge Erwachsene besitzen schon gewisse Raster,
in denen sie neu erworbenes Wissen einordnen können und dieses dann
neu anwenden. Die Einstellung gegenüber dem Wählen und bestimmten
Ideologien bildet sich schon relativ früh und wird später nur
dementsprechend erweitert.
Wann
genau politische Sozialisation beginnt, lässt sich so pauschal aber
nicht sagen. Ein Kind bekommt schon früh Dinge des politischen
Systems mit, ohne diese als solche zu sehen. Ein weiteres Problem
ist, das man keine klaren Linien zwischen Kindheit, Jugend und
Erwachsensein ziehen kann, sodass kein klarer Zeitpunkt festgelegt
werden kann, an dem es am sinnvollsten ist, das wichtigste über
solch ein Thema zu vermitteln.
Sicher
ist jedoch, dass sich die politische Meinung meist schon früh
bildet, und, obwohl teilweise sogar gewollt, sich auch nicht mehr
großartig verändert.
Viele
Jugendliche halten sich jedoch aus der Politik raus und Easton und
Hess betonen, dass dies auch nicht unbedingt verkehrt ist.
Jugendliche befinden sich in einer Findungsphase, in der Dinge wie
Politik nicht unbedingt eine Rolle spielen. Eine gewisse
Ernsthaftigkeit wird dennoch von ihnen verlangt. Aber solange die
Probleme nicht von großer Bedeutung sind, halten sich die
Jugendlichen raus. Die Abwesenheit der jugendlichen Partizipation
deutet also auf ein nicht unbedingt schlechtes politisches System
hin.
Der
zweite Text Das Maß der Potsdamer Garde von
Carlos Spoerhase behandelt ein ganz anderes Thema, nämlich Rankings
und Listen, beziehungsweise ihre Entstehung.
Rankings
sind heute wohl nicht mehr aus unserer Gesellschaft wegzudenken, da
sie diese beschreiben und sogar verändern können. Dies geschieht
durch Zahlen.
Spoerhase
siedelt die Entstehung von Ranking im 18. Jahrhundert an, in der
Epoche der europäischen Kunst- und Literaturkritik. In dieser Zeit
entwarf der Dichter Schubart die „Kritische Skala der
vorzüglichsten deutschen Dichter“, die in neun verschiedenen
Kategorien 18 Dichter bewertet. Damit gilt Schubarts Liste als erster
Vorläufer für die quantifizierende Rangliste.
Ebenfalls
im 18. Jahrhundert veröffentlichte der Kunstkritiker de Piles eine
„balance des peintres“, in der er 57 Künstler in vier Kategorien
bewertet, ohne jedoch eine Gesamtwertung abzugeben.
Beide
Ranglisten wurden zu ihrer Zeit als Unsinn abgetan, waren später
aber immer wieder von großem Wert.
So
wurde de Piles' Skala von Richardson aufgenommen und sogar um drei
Kategorien erweitert. Auch Akenside nahm de Piles' Skala auf und
ergänzte diese und bestimmte ebenfalls noch einen Gesamtwert.
Dieses
Modell wurde später auch in die Musik übertragen. Auch in anderen
Ländern wurden nun Ranglisten veröffentlicht und die wichtigsten
und einflussreichsten Ranglisten übersetzt und zum Teil sogar
mehrere Male gedruckt.
Die
Skalen oder „Balance“ hatten angeblich erst einmal den Wert der
Unterhaltung. Spoerhase geht aber auch darauf ein, dass diese für
manche ein Mittel darstellten Werke mathematisch einzuordnen, mit
Hilfe von Zahlen, und das somit die Mathematik auf das Gebiet des
ästhetischen Urteils ausgeweitet werden konnte. Der Physiker de
Mairan entdeckte somit zwei Schwachstellen in de Piles' Rangliste,
der Gesamtwert muss das Produkt der einzelnen Kategorien sein, nicht
die Summe und es darf nicht den Wert 0 geben, und korrigierte diese.
Durch diese Verbesserungen erhoffte man sich, dass das
Ranglistensystem schon bald in allen Bereichen des Geistes Anwendung
finden würde.
Für
Spoerhase wurden damit aber nicht alle Probleme beseitigt, die solch
ein Ranking schafft.
So
weiß man zum Beispiel nicht, ob eine Rangliste einen Wert begründen
oder ihn zunächst entdecken will, die Absicht dahinter wird nicht
deutlich.
Beim
Erstellen des Rankings hatten alle Kritiker schon vorher bestimmte
Präferenzen, die in ihre Wertung mit eingehen. Auch einen Gesamtwert
zu errechnen, wird von dem Autor kritisiert. So kann nicht jeder
Kategorie das gleiche Gewicht zugeschrieben werden. Ganz allgemein
lassen sich,
laut
Spoerhase, ästhetische Dinge nicht in Zahlen fassen.
Als
Vorreiter für unsere heutigen Ranglisten und Wertungen lassen sich
die Ranking aus dem 18. Jahrhundert schon sehen, dabei sind die aber
definitiv kritisch zu betrachten.
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