In seinem Aufsatz Forschungsmedien
erforschen. Über Praxis mit der Daten-Mapping-Software Gephi
weist Paßmann zunächst darauf hin, dass Medien Dargestelltes auf
eine Weise prägen können, die zu inkorrekten Ergebnissen führen
kann. Erfahrene Mediennutzer können sich aber gewisse Praktiken zu
eigen machen, mit deren Hilfe sie davor bewahrt werden, zu falschen
Einschätzungen zu gelangen. Dabei spricht Paßmann zunächst von
drei Faktoren, über die man verfügen sollte, um nicht zu falschen
Schlussfolgerungen zu springen. Der erste ist, seine Forschungsmedien
zu kennen, genauso wie die Situation und der dritte, über
Feldwissen zu verfügen.
Dies ist aber nicht immer so simpel, wie es im ersten Moment scheint.
Es stellt sich also die Frage, welches Wissen notwendig ist, um
Wissen zu erzeugen.
Paßmann
bezieht sich hierbei auf ein Protokoll mit Daten von Twitter,
das mithilfe der Mapping-Software Gephi visualisiert.
Von großer Bedeutung sind in diesem Fall Visualisierungsalgorithmen.
Paßmann
und Martijn Weghorst erstellten zusammen eine Datenbank mit den 450
reichweitenstärksten deutschsprachigen Twitterern, von denen die 100
reichtweitenstärksten Tweets genauer untersucht wurden, im Hinblick
auf Favs und Retweets. Die Visualisierung der Software Gephi
zeigt nun nicht alle Favs und
Retweets der 100 ausgewählten Tweets an, sondern nur jene, die die
450 reichweitenstärksten Twitterer sich bei diesen Tweets
untereinander gegeben haben.
Bei
der Visualisierung stellt sich schnell heraus, dass es zwei Twitter
Gruppen gibt, Leute, die den Favorisieren Button als Lesezeichen
benutzen und die von Paßmann so genannte Favstar-Sphäre, Twitter
Nutzer, die denn Button nutzen, um ihre Anerkennung für gewisse
Tweets auszudrücken.
Auch
der Umstand, dass die „wichtigen“ Twitterer ihre Tweets
gegenseitig faven und retweeten wird durch die Map gut dargestellt.
Das
Arbeiten mit dem Programm Gephi und
auch die Graphen selbst weisen auf ein Paradox hin. Bilder scheinen
eher unbeliebt in wissenschaftlichen Arbeiten zu sein,
Visualisierungen sind aber, so zum Beispiel in der Form von Graphen,
nach wie vor eine große Rolle in der Wissenschaft.
In
diesem Fall handelt es sich jedoch um soziale Graphen, die nicht die
Welt zu imitieren versuchen, sondern eine völlig neue symbolische
Darstellung aufweisen. Ob diese letztendlich richtig gedeutet wird,
hängt immer von dem Wissen ab, dass beim Erstellen des Graphen
vorhanden war und wie dieses einsortiert wird.
Nun
geht Paßmann weiter und spricht über den ersten der drei zuvor
genannten Faktoren, das technisch-methodische Wissen im Bezug auf die
Twitter-Studie. Beim Erstellen der verschiedenen Gephi-Maps
hat Weghorst verschiedene Variablen geändert, um die Veränderungen
der abhängigen Variablen und damit einhergehend eine Veränderung
der Darstellung zu erzielen. Durch experimentelles Vorgehen und
gesammelte Erfahrungen kennt er also sein Forschungsmedium.
Durch
das Skype Gespräch wird deutlich, das Weghorst an einem Abend viele
verschiedene Versuche unternommen hat, eine oder mehrere geeignete
Graphiken zu erstellen. Durch Herumexperimentieren wird der
Forschungsgegenstand der Situation angepasst, Weghorst arbeitet
gewissermaßen situativ und erfüllt somit auch den zweiten genannten
Faktor.
Das
Feldwissen kommt bei Paßmann vor allem durch persönlicher
Erfahrungen zustande, so zum Beispiel diverse Konferenzen oder
Interviews, in denen er Twitterer der Favstar-Sphäre kennen lernen
konnte. Dass diese auch auf Treffen eine gesonderte Gruppe bilden,
verweist also auch auf die Diagramme, die zeigen, dass eine gewisse
Verbundenheit in dieser Twitter Gruppe herrscht.
Ein
weiteres Wissensfeld, das Paßmann zuvor nicht angesprochen hat, ist
das theoretisch-literarische Wissen, durch welches er sich
schlussendlich, aufgrund der „Power Law Distribution“, für eine
der vielen generierten Maps entschieden hat.
Paßmann
gelingt es also die drei am Anfang erwähnten Arten von Wissen, und
noch eine weitere, mithilfe seiner Studie zu belegen, auch wenn dies
zunächst nicht offensichtlich scheint und das genutzte Medium
zunächst hinterfragt und abgeändert werden musste.