Gerlitz
und Helmond erklären am Anfang ihres TextsThe Like
economy: Social buttons and the data intensive web auf
welche Weise sich Facebook ausgebreitet hat. Dies geschah vor allem
durch die Verbreitung der Like- und Share-Buttons auf diversen
anderen Internetseiten. Damit wurden viele Seiten im Netz verbunden,
man kann von einer Infrastruktur sprechen, die durch diese Art der
sozialen Verbundenheit aufgebaut wird. Damit hat Facebook es sogar
geschafft, den Like-Button als eine feststehende Größe in unserer
Gesellschaft zu etablieren.
Dies
ist aber erst im Web 2.0 aktuell. Zu Zeiten des Web 1.0 waren
Besucherzahlen, sogenannte Hits, die bestehende Messgröße. Im Web
2.0 spielt vor allem Partizipation eine Rolle, wodurch Social Plugins
wie der Like-Button zu feststehenden Messgrüßen werden konnten.
Dadurch, dass eine Internetseite über mehr solcher Plugins verfügt,
wird sie auch deutlich mehr von ihren Nutzern geformt. Es entsteht
die schon angesprochene Infrastruktur, die Seiten sind untereinander
alle miteinander verbunden. Der Datenaustausch wird nicht mehr nur
durch Suchmaschinen und Hits gesteuert, sondern ganz klar von
sozialen Plattformen, an denen jeder mitwirken kann.
Doch
auch Facebook hat Grenzen, wenn es darum geht, dass reale soziale
Leben auf ein soziales Netzwerk zu übertragen. So sprechen Gerlitz
und Helmond das Fehlen des Dislike-Buttons an, den viele User
fordern.
Soziale
Plattformen wie Facebook können also durchaus als Mittel für
soziale Interaktion gesehen werden, und sind wohl aus der heutigen
Gesellschaft auch nicht mehr so schnell wegzudenken, ob sie dafür
völlig ausreichen, ist anhand ihrer Grenzen jedoch fraglich.
Esposito macht direkt am Anfang ihres Textes Algorithmische Kontingenz. Der Umgang mit Unsicherheit im Web klar, dass die Gesellschaft gleichermaßen fasziniert, aber auch geplagt ist, von der Kontingenz, die in ihr herrscht. Das bedeutet, dass in unserer Gesellschaft alles möglich ist, ja, dass es sogar mehr Möglichkeiten und Konsequenzen für jeden gibt, als tatsächlich in Betracht gezogen werden können. Dieser Umstand muss aber nicht nur als etwas durchweg positives angesehen werden, er kann durchaus auch zu Enttäuschungen führen. Um das zu verhindern, gibt es einige theoretische Ansätze.
Ein
etwas neuerer ist der der 'rationalization' von Lorraine Daston von
2013. Nach diesem Ansatz muss die Unsicherheit der Vernunft durch
algorithmische Regeln ersetzt werden.
Aber
auch schon früher gab es Ansätze, die der Enttäuschung durch die
Kontingenz entgegenwirken sollten, wie zum Beispiel
Wahrscheinlichkeiten und Statistiken ab dem 17. Jahrhundert. Dabei
wirkt die Wahrscheinlichkeit nicht als etwas, dass die Welt
untersucht oder die Suche nach der Wahrheit darstellen sollte,
sondern vielmehr als ein Mittel, um scheinbar unüberwindbare
Unsicherheiten weniger unsicher erscheinen zu lassen und diese
entsprechend zu verwalten.
Da
das große Problem der Kontingenz ist, dass man so viele
Handlungsmöglichkeiten hat, deren Konsequenzen nicht überschaubar
genug sind, ist eine Möglichkeit Gewissheit mit Vernünftigkeit zu
ersetzen. Dadurch hat man zwar nie die Sicherheit, dass die eigene
Wahl die bestmögliche ist, dies ist aber auch nicht zwingend
erforderlich. Vielmehr ist bei diesen Techniken interessant, wie man
nicht zufällige Entscheidungen am besten trifft, indem er rechnet.
Durch Algorithmen können Unsicherheiten rationalisiert werden.
Darauf zielt auch Dastons Technik ab. Bis dahin hat sich aber viel
getan. So ist es ein Unterschied, ob auf einfache Statistiken und
Wahrscheinlichkeiten gebaut wird, oder ob die eignen Unsicherheiten
von einem Computer errechnet werden.
Wichtig
ist aber vor allem, dass die Unsicherheiten nicht als etwas durchweg
negatives gesehen werden, sondern durchaus als Ressourcen für neue
Möglichkeiten genutzt werden können.
Das
erste Problem, was beim Algorithmus auftritt ist, dass dieser formal
nicht definiert werden kann, auch wenn klar ist, wie er funktioniert.
Ein Algorithmus muss auch nicht immer zu einer Lösung führen,
sodass es nicht immer sinnvoll ist, einen anzuwenden. Die
Unsicherheit der Vernunft wird also zu einer Unsicherheit über die
Grenzen der Formalisierung, selbst wenn man rational denkt, weiß man
nie genau, wann man überhaupt rationalisieren sollte. Daraus folgt,
dass die vernünftigste Lösung nicht unbedingt die richtige sein
muss.
Dass
Formalisierung Grenzen hat, scheint vielen nicht mehr bewusst zu
sein, nützlich kann sie dennoch sein. Die Kontingenz wird dadurch
aber nicht aufgehoben.
Die
Verbreitung rationaler Ansätze hat außerdem zur Folge, dass diese
irrational wirken können. Die Ansätze können ihre eigene
Rationalität oder vielmehr die Irrationalität nicht mit
berücksichtigen. Die Ansätze und Modelle selbst bleiben zwar
rational, die Formalisierung schafft aber eine Situation, in der es
eigentlich rational wäre, sich nicht formal mit Rationalität
auseinander zu setzen. Dies führt zu einem neuen Bild von
Algorithmen. Ihr Gebrauch sollte in der heutigen Gesellschaft
unbedingt überdacht werden, da sie auf jeden Fall auch produktiv
genutzt werden können. So scheinen sie sogar zu einer neuen Form von
Intelligenz führen zu können, die anders als die menschliche
Vernunft ist.
So
zeigt zum Beispiel die Suchmaschine Google aufgrund ihres
Algorithmus' Seiten an, die vorher schon miteinander verknüpft sind
und so wahrscheinlich auf ähnliche Themen abzielen. Sie arbeitet
nicht intelligent, da sie den Inhalt der Seiten nicht verstehen kann,
aber der Umstand, dass sie dem Nutzer informative Seiten aufzeigt,
sein Wissen vielleicht sogar um zusätzliche Informationen erweitert,
lassen sie doch intelligent werden. Esposito spricht von einer
reflektierten Intelligenz, da die Maschine sich die Intelligenz
vorheriger Nutzer zu eigen macht und anhand dieser selektiert. Die
Kontingenz wird dadurch keineswegs verringert, eher noch vergrößert,
aber die Suchmaschine kann jederzeit ein nachvollziehbares Ergebnis
ausspucken, das die Unsicherheit deutlich schrumpfen lässt.
Die
Kommunikation im Internet ist ebenfalls eine völlig andere, da es
autonome Roboter oder auch Bots gibt, die auf Algorithmen basieren.
Sie sammeln Informationen zum Austausch in sozialen Netzwerken oder
dem Internet allgemein. Diese werden dann im Netz weiter
kommuniziert. Dies unterscheidet sie von klassischen Algorithmen, da
Daten hier weiterverarbeitet werden können, um neue Daten zu
erzeugen. Dies geschieht alles anhand menschlicher Selektion, die von
den Menschen selber in diesem Maße jedoch nicht erfasst werden kann.
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