Mittwoch, 29. April 2015

Was haben Tiffany Lampen, Flash Gordon Comics, Gaudís Architektur und Bellinis Opern gemeinsam?
Ich würde behaupten nicht, aber laut Susan Sontag sind all' diese Dinge Beispiele für 'Camp'. 
Bei Camp handelt es sich um eine Erlebnisweise, die die Welt nur unter ästhetischen Gesichtspunkten sieht, und die moralischen komplett außen vor lässt. Dabei stellt Camp, ähnlich wie der Pop-Begriff, eine Art Geheimcode dar, der innerhalb bestimmter Personengruppen Verwendung findet.
Dass eine der darauf folgenden Schlüsse ist, dass man nicht über Camp reden kann und sollte, schiebt Sontag gekonnt zur Seite, indem sie sich darauf beruft, dass sie von Camp zwar durchaus fasziniert, aber auch abgestoßen ist.
Daraufhin folgt eine nicht abbrechen wollende Aufzählungen der Dinge, die alle Camp sind, 58 Punkte insgesamt. Und bei der Hälfte dieser Punkte, so kommt es mir vor, werden die Übertreibungen und die Künstlichkeit, genauso wie die Gegensätzlichkeit zum Ernsten, die Camp ausmachen, herausgestellt. Auch, dass Camp nicht so schlecht und kitschig ist, wie es sich zunächst darstellt, wird mehr als nur einmal von Sontag erwähnt.
Vielmehr zeigt Camp vieles auf eine ironische Art, es setzt alles in Anführungszeichen. Diese Ironie findet auch beim Pop Verwendung und zeigt klar auf, dass es möglich ist, Camp doppeldeutig zu sehen.
Ein großes Anliegen Sontags, ohne Ironie oder Übertreibungen, scheint es zu sein, durch ihre Erläuterungen zum Thema Camp, die Kluft zwischen der E- und der U-Kultur, der Hoch- und der Massenkultur, zu verkleinern. So schreibt sie am Ende ganz deutlich, dass die Hochkultur keinen alleinigen Anspruch auf guten Geschmack hat und sich dieser auch in anderen kulturellen Teilen finden lässt.
Einen ähnlichen Anspruch zeigt auch Leslie Fiedler in seinem Essay Cross the Border, Close the Gap auf.
Ähnlich provozierend wie die Tatsache, dass dieser Aufsatz im Playboy erschien, sind auch seine Aussagen.
Der alte Roman hat abgedankt, Joyce und Mann straft Fiedler mit nur wenigen Worten ab. Er spricht von einer neuen postmodernen Literatur, die für ihn zum Teil schon in verschiedenen Genres, zum Beispiel Westernfilmen, zum Greifen kommt.
Auch sein Anliegen ist es, wie der Titel seines Aufsatzes schon mehr als deutlich sagt, die Grenzen zwischen der Hoch- und der Massenkultur, aber auch zwischen, zum Beispiel, dem Realen und dem Mystischen, zu überwinden und Klüfte zu schließen. 
Somit machen beide, Fiedler und Sontag, in zwei ihrer bedeutendsten Essays, die gleiche Aussage auf zwei unterschiedlichen Wegen. 
Und auch, wenn mir ihre Aussagen und Ausführungen durchaus schlüssig erscheinen, widerstrebt es mir nach wie vor, Flash Gordon auf eine Ebene mit Gaudís Architektur zu stellen. 
 
 
 

Dienstag, 21. April 2015

Jeder von uns hat schon mal einen Popsong gehört. Oder sich Pop-Art Kunst angeschaut.

Es hat auch jeder ein Bild davon im Kopf, was zum Beispiel den Popsong ausmacht. Spricht man aber von Pop in der Wissenschaft, ist es schon nicht mehr so klar, wie Pop zu definieren ist. 

Ähnlich sieht das auch Thomas Hecken in seinem Aufsatz über die Definition des Pop-Begriffs, da jeder Autor einem Begriff eine schlüssige Definition geben kann. Wissenschaftliche gesehen, sollte die Definition des Pop-Begriffs die offensichtliche Verbindung zur Musik und Kunst jedoch überschreiten. 

Viele bekannte Definitionen sehen Pop als einen Teil der Massenkultur, Phänomene, die sich durch Massenmedien rasend schnell verbreiten und somit als "populär" und hip gelten. So, wie auch Hecken, sehe ich Schwierigkeiten bei einer solchen Definition, da diese einfach eine Ansatz zur Erklärung von Populärkultur liefert. In diesem Zusammenhang wäre also eine Definition des Pop-Begriffs überhaupt nicht notwendig, da bereits ein Ausdruck, der der Populär- oder Massenkultur, schon besteht. 

Der Poptheoretiker Dietrich Diederichsen geht in seinem Aufsatz über die Definition des Pop-Begriffs vor allem auf drei Elemente ein, die Pop ausmachen. Das erste Element ist die Transformation. Es werden Grenzen überschritten, egal ob ethnischer oder kultureller Art. Die Umgebung gestaltet sich immer neu, es ist eine gewisse Dynamik vorhanden.

Der zweite Punkt, den Diederichsen als Element des Pop ansieht, ist, dass Pop seine Umwelt bejaht. Daraus resultieren Gegenbewegungen, die die Gesellschaft durchaus kritisch sehen, die Welt und das Leben jedoch nicht als negativ ansehen. Dies unterscheidet den Pop von anderen Subkulturen, die meist mit der gegebenen Welt unzufrieden sind und diese eher verneinen. Auch hierbei ist also wieder eine gewisse Dynamik zu sehen, die den Pop-Begriff ganz entscheidend prägt.

In drittes Element bezeichnet Pop als einen Geheimcode. Bekannte Pop-Vertreter, wie zum Beispiel Warhol benutzten diesen für ihre oftmals gesellschaftskritischen Aussagen, aber eher scheinaffirmativ, damit zumindest ein scheinbarer Zugang für alle geschaffen wurde.

Obwohl beide Texten eine Vielzahl von Begriffsdefinitionen liefern, erscheint es mir immer noch schwierig eine klare, wissenschaftliche Erklärung des Pop-Begriffs zu liefern.
Wo befindet sich die Grenze zur Populärkultur oder sehen nur wenige Theoretiker eine Schwierigkeit darin, diese beiden Begriffe voneinander zu trennen?

Eine Definition für den Begriff Pop zu finden, scheint also schwerer, als zunächst vermutet. Es geht nicht nur um den neusten Popsong oder um etwas „populäres“. Es müssen noch einige Faktoren mehr beachtet werden, wie es beide, Hecken und Diederichsen, versuchen. Eine universell gültige Definition gibt es allerdings nicht.