Was haben Tiffany Lampen, Flash Gordon
Comics, Gaudís Architektur und Bellinis Opern gemeinsam?
Ich würde behaupten nicht, aber laut Susan Sontag sind all' diese Dinge
Beispiele für 'Camp'.
Bei Camp handelt es sich um eine
Erlebnisweise, die die Welt nur unter ästhetischen Gesichtspunkten
sieht, und die moralischen komplett außen vor lässt. Dabei stellt
Camp, ähnlich wie der Pop-Begriff, eine Art Geheimcode dar, der
innerhalb bestimmter Personengruppen Verwendung findet.
Dass eine der darauf folgenden Schlüsse
ist, dass man nicht über Camp reden kann und sollte, schiebt Sontag
gekonnt zur Seite, indem sie sich darauf beruft, dass sie von Camp
zwar durchaus fasziniert, aber auch abgestoßen ist.
Daraufhin folgt eine nicht abbrechen
wollende Aufzählungen der Dinge, die alle Camp sind, 58 Punkte
insgesamt. Und
bei der Hälfte dieser Punkte, so kommt es mir vor, werden die
Übertreibungen und die Künstlichkeit, genauso wie die Gegensätzlichkeit zum Ernsten, die Camp ausmachen,
herausgestellt. Auch, dass Camp nicht so schlecht und kitschig ist,
wie es sich zunächst darstellt, wird mehr als nur einmal von Sontag
erwähnt.
Vielmehr
zeigt Camp vieles auf eine ironische Art, es setzt alles in
Anführungszeichen. Diese Ironie findet auch beim Pop Verwendung und
zeigt klar auf, dass es möglich ist, Camp doppeldeutig zu sehen.
Ein
großes Anliegen Sontags, ohne Ironie oder Übertreibungen, scheint es zu sein, durch ihre Erläuterungen
zum Thema Camp, die Kluft zwischen der E- und der U-Kultur, der Hoch-
und der Massenkultur, zu verkleinern. So schreibt sie am Ende ganz
deutlich, dass die Hochkultur keinen alleinigen Anspruch auf guten
Geschmack hat und sich dieser auch in anderen kulturellen Teilen
finden lässt.
Einen
ähnlichen Anspruch zeigt auch Leslie Fiedler in seinem Essay Cross
the Border, Close the Gap auf.
Ähnlich
provozierend wie die Tatsache, dass dieser Aufsatz im Playboy
erschien, sind auch seine Aussagen.
Der
alte Roman hat abgedankt, Joyce und Mann straft Fiedler mit nur
wenigen Worten ab. Er spricht von einer neuen postmodernen Literatur,
die für ihn zum Teil schon in verschiedenen Genres, zum Beispiel
Westernfilmen, zum Greifen kommt.
Auch
sein Anliegen ist es, wie der Titel seines Aufsatzes schon mehr als
deutlich sagt, die Grenzen zwischen der Hoch- und der Massenkultur,
aber auch zwischen, zum Beispiel, dem Realen und dem Mystischen, zu
überwinden und Klüfte zu schließen.
Somit machen beide, Fiedler und Sontag, in zwei ihrer bedeutendsten Essays, die gleiche Aussage auf zwei unterschiedlichen Wegen.