Montag, 29. Juni 2015

In seinem Aufsatz Forschungsmedien erforschen. Über Praxis mit der Daten-Mapping-Software Gephi weist Paßmann zunächst darauf hin, dass Medien Dargestelltes auf eine Weise prägen können, die zu inkorrekten Ergebnissen führen kann. Erfahrene Mediennutzer können sich aber gewisse Praktiken zu eigen machen, mit deren Hilfe sie davor bewahrt werden, zu falschen Einschätzungen zu gelangen. Dabei spricht Paßmann zunächst von drei Faktoren, über die man verfügen sollte, um nicht zu falschen Schlussfolgerungen zu springen. Der erste ist, seine Forschungsmedien zu kennen, genauso wie die Situation und der dritte, über Feldwissen zu verfügen. Dies ist aber nicht immer so simpel, wie es im ersten Moment scheint. Es stellt sich also die Frage, welches Wissen notwendig ist, um Wissen zu erzeugen.
Paßmann bezieht sich hierbei auf ein Protokoll mit Daten von Twitter, das mithilfe der Mapping-Software Gephi visualisiert. Von großer Bedeutung sind in diesem Fall Visualisierungsalgorithmen.
Paßmann und Martijn Weghorst erstellten zusammen eine Datenbank mit den 450 reichweitenstärksten deutschsprachigen Twitterern, von denen die 100 reichtweitenstärksten Tweets genauer untersucht wurden, im Hinblick auf Favs und Retweets. Die Visualisierung der Software Gephi zeigt nun nicht alle Favs und Retweets der 100 ausgewählten Tweets an, sondern nur jene, die die 450 reichweitenstärksten Twitterer sich bei diesen Tweets untereinander gegeben haben.
Bei der Visualisierung stellt sich schnell heraus, dass es zwei Twitter Gruppen gibt, Leute, die den Favorisieren Button als Lesezeichen benutzen und die von Paßmann so genannte Favstar-Sphäre, Twitter Nutzer, die denn Button nutzen, um ihre Anerkennung für gewisse Tweets auszudrücken.
Auch der Umstand, dass die „wichtigen“ Twitterer ihre Tweets gegenseitig faven und retweeten wird durch die Map gut dargestellt.
Das Arbeiten mit dem Programm Gephi und auch die Graphen selbst weisen auf ein Paradox hin. Bilder scheinen eher unbeliebt in wissenschaftlichen Arbeiten zu sein, Visualisierungen sind aber, so zum Beispiel in der Form von Graphen, nach wie vor eine große Rolle in der Wissenschaft.
In diesem Fall handelt es sich jedoch um soziale Graphen, die nicht die Welt zu imitieren versuchen, sondern eine völlig neue symbolische Darstellung aufweisen. Ob diese letztendlich richtig gedeutet wird, hängt immer von dem Wissen ab, dass beim Erstellen des Graphen vorhanden war und wie dieses einsortiert wird.
Nun geht Paßmann weiter und spricht über den ersten der drei zuvor genannten Faktoren, das technisch-methodische Wissen im Bezug auf die Twitter-Studie. Beim Erstellen der verschiedenen Gephi-Maps hat Weghorst verschiedene Variablen geändert, um die Veränderungen der abhängigen Variablen und damit einhergehend eine Veränderung der Darstellung zu erzielen. Durch experimentelles Vorgehen und gesammelte Erfahrungen kennt er also sein Forschungsmedium.
Durch das Skype Gespräch wird deutlich, das Weghorst an einem Abend viele verschiedene Versuche unternommen hat, eine oder mehrere geeignete Graphiken zu erstellen. Durch Herumexperimentieren wird der Forschungsgegenstand der Situation angepasst, Weghorst arbeitet gewissermaßen situativ und erfüllt somit auch den zweiten genannten Faktor.
Das Feldwissen kommt bei Paßmann vor allem durch persönlicher Erfahrungen zustande, so zum Beispiel diverse Konferenzen oder Interviews, in denen er Twitterer der Favstar-Sphäre kennen lernen konnte. Dass diese auch auf Treffen eine gesonderte Gruppe bilden, verweist also auch auf die Diagramme, die zeigen, dass eine gewisse Verbundenheit in dieser Twitter Gruppe herrscht.
Ein weiteres Wissensfeld, das Paßmann zuvor nicht angesprochen hat, ist das theoretisch-literarische Wissen, durch welches er sich schlussendlich, aufgrund der „Power Law Distribution“, für eine der vielen generierten Maps entschieden hat.
Paßmann gelingt es also die drei am Anfang erwähnten Arten von Wissen, und noch eine weitere, mithilfe seiner Studie zu belegen, auch wenn dies zunächst nicht offensichtlich scheint und das genutzte Medium zunächst hinterfragt und abgeändert werden musste.

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